Netzow

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Netzow

 

Das Dorf liegt östlich von Glöwen. Die erste urkundliche Erwähnung war im Jahre 1329 und wurde als Angerdorf bezeichnet. Von 1344 bis 1819 gehörte das Dorf dem Domkapitel Havelberg und von 1819 dem Amt Havelberg. Im Jahre 1576 wird ein Mühlenhaus und eine Mühle im Felde erstmals erwähnt. Die gotische Kirche wurde im Jahre 1884 stark umgebaut, alter Turm, Glocke von 1462. Netzow war ein typisches Bauerndorf. Im Ort waren 15 Bauern ansässig. Durch gute Bedingungen in der Landwirtschaft entwickelten sich die Höfe zu großen Bauernwirtschaften mit Scheunen und Stallgebäuden, die noch heute das Bild des Angerdorfes bestimmen. Die Landwirtschaft ist Haupterwerbszweig der Gemeinde und größter Arbeitgeber im Ort. Der überwiegende Teil wird von der Agrargenossenschaft bewirtschaftet. Im Zentrum des Ortes befindet sich die alte Feldsteinkirche, auf einer geringfügigen Erhebung gelegen. Die beidseitig verlaufenden Verkehrswege umschließen den kleinen Anger von Netzow. Zum Ortsteil Netzow gehören auch die Gemeindeteile Klein Leppin und Söllenthin.

 

In Netzow wird großes Kino gedreht. Der Film das "Weiße Band" von Michael Hanekes ist für Netzow ein großes Ereignis.

 

Artikel der Märkischen Allgemeinen Zeitung vom 16.September 2009, von Claudia Palma

 

Michael Hanekes düsteres in Cannes preisgekröntes Drama „Das Weiße Band“ feiert Premiere

 

Zwei Busse hat Anneliese Globke gechartert, 82 Netzower Bürger haben sich schon angemeldet zur Fahrt nach Wittenberge am kommenden Freitagabend, wo im Kino Movie Star die Vorpremiere von Michael Hanekes düsterem Drama „Das weiße Band" ge­feiert wird. Die Ortsvorsteherin des 132-Seelen-Dorfes in der Prignitz hat die Einla­dungskarten der Berliner X Filme Creative Pool, die den Film produziert hat, eigen­händig verteilt. Im Sommer 2008 wurde an 30 Tagen in Netzow gedreht und jetzt möchten natürlich alle se­hen, wie der Film geworden ist. „Aus 400 Dörfern wurde unseres ausgesucht", erzählt Anneliese Globke stolz. Tat­sächlich waren der Szenen­bildner Christoph Kanter und mehrere Locationscouts in Norddeutschland und Polen unterwegs, um das passende Dorf für eine Geschichte, die 1913/14 spielt, zu finden. Am Ende gab vor allem der unbe­rührte Zustand der Straße den Ausschlag. Und dass die Kirche wirklich mitten im Dorf liege, habe der Filmcrew auch gefallen, so An­neliese Globke. Die Straße allerdings sorgte noch für aller­hand Aufregung, denn die sollte nun endlich ausgebaut werden, nach jahre­langen Verzögerun­gen durch Bedarfspläne und Finanzierungsschwierigkei­ten. Ausgerechnet kurz vor Be­ginn der Dreharbeiten sollten die Bagger anrollen und es be­durfte einigen diplomati­schen Geschicks, die Arbeiten doch noch hinauszuzögern.

„Netzow ist ein Dorf, das seinen Charme noch nicht verkauft hat“, schwärmt der österreichische Regisseur mit Wahlheimat Paris. Michael Haneke nimmt es mit der Aus­stattung und dem Personal in seinen Filmen pedantisch ge­nau. Nicht nur das Dorf zu fin­den war eine Anstrengung. Sechs Monate allein hat es gedauert, aus den 7000 gecasteten Kindern jene zehn zu entdecken, die wesentliche Rollen spielen sollten. Die Komparsensuche führte den Potsda­mer Stefan Arndt, Chef der X Filme, sogar bis nach Rumä­nien. Dort fand er jene zeitty­pischen, ein wenig ausgemer­gelten Gesichter, die sich Ha­neke vorgestellt hatte.

Zehn Jahre übrigens lag das Drehbuch in der Schublade des Regisseurs. Und wieder war es der Deutsche Filmför­derfonds, der den Ausschlag gab, hierzulande zu drehen.

Knapp 1,7 Millionen Euro ka­men aus dem Haushalt des Kulturstaatsministers Bernd Neumann. Das Medienboard Berlin-Brandenburg steuerte 600000 Euro bei, einen füh­renden Vertreter des europäi­schen Kinos im Märkischen zu haben wollte sich selbstver­ständlich niemand entgehen lassen.

Dass die Filme des 66-Jähri­gen an die Schmerzgrenze ge­hen, ist der Zuschauer ge­wohnt. Doch „Das weiße Band" lässt einem den Atem stocken. Dabei macht die Dorfgemeinschaft am Vor­abend des Ersten Weltkriegs auf den ersten Blick einen ganz harmonischen Ein­druck. Doch dann sieht man, wie der adlige Gutsherr (Ul­rich Tukur) mit seinen Arbei­tern umspringt, wie der Arzt (Rainer Bock) seine Haushäl­terin (Susanne Lothar) demütigt und seine Tochter miss­braucht, wie der Pfarrer (Burg­hart Klaussner) seine Kinder drangsaliert und quält. Mit dem titelgebenden Stück Stoff bindet er seinen Sohn am Bett fest, um ihn am Masturbieren zu hindern, seine Töchter tragen es im Haar, um stets an den Gehorsam er­innert zu werden. Zwischen­durch ereignen sich rätsel­hafte Vorfälle und Verbre­chen, die man auch als Strafe Gottes deuten könnte.

Fotografiert in scharfem Schwarzweiß, zeigt Haneke, wie sich Niedertracht und Bösartigkeit ausbreiten, wie das Grauen aus den Ritzen der scheinbar wohlgeordneten Dorfgemeinschaft kriecht. Und es sind auch einige Kinder, die Erlittenes weitergeben. Für manche Kritiker in Cannes, wo Haneke im Mai die Goldene Palme gewann, ist „Das weiße Band" denn auch gleich ein Lehr­stück über die Vor-Nazizeit, in der sich das totalitäre Deutschland ankündigt.

Heiter sind die streng kom­ponierten 144 Kinominuten, die die Netzower da vor sich haben, also nicht. Diese Bil­der menschlicher Grausam­keit brennen sich ein. Aber im­merhin können sie ihr Dorf noch einmal im alten Zu­stand sehen, denn mittler­weile ist die Straße fertig, der Gehweg asphaltiert und auch die Beleuchtung ist jetzt auf dem Stand des 21. Jahrhun­derts.

 

 

 

 

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