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Viesecke

Viesecker Mühle

 

Viesecke

 

INFO-Flyer

 

 

Viesecke wurde erstmalig 1335 urkundlich erwähnt, genannt „Vysak“. Der Markgraf Ludwig soll seinen Neffen „Fritsche“ mit dem Dorf belehnt haben. Viesecke erstreckt sich als langes breites Straßendorf in Nord- Süd Richtung. Um 1576 zählte man hier im Ort 15 Hüfner (Bauern), 10 Kossäten (Arbeiter, die Handdienste leisteten) und einen Müller. Die Feldmarkbezeichnung „Altes Dorf“ läßt darauf schließen, daß das alte Dorf mehr am alten Verlauf des Cederbaches gelegen haben muß. Es muß auch dort schon eine Mühle gestanden haben, denn ein Viesecker wußte aus Erzählungen, daß sein Vater und Großvater um 1890 dort starke Eichenbalken gefunden haben, die das Mühlenrad getragen haben müssen. Im 12. Jahrhunderte wurde die Kirche gebaut. Sie steht unter Denkmalschutz. Sie wurde auf den höchst gelegenen Punkt gebaut, um dem Himmel näher zu sein, aber auch geschützt vor Überschwemmungen, was im Cederbachgrund zur damaligen Zeit nicht auszuschließen war. Die Kirche ist eine schlichte ältere Saalkirche aus Feldsteinen. Der Ostgiebel ist aus Fachwerk. Im Westen befindet sich ein breites Glockenhaus mit Satteldach, nur die Glockenstube ist aus Fachwerk mit Bretterverschlag. Einst hingen hier eine kleinere Glocke aus dem Jahre 1622, gegossen von Hans Naesel in Hamburg. Die größere Glocke stammte aus dem Jahre 1893 und wurde von Heinrich Ulrich in Apolda gegossen. Beide Glocken mußten dem ersten Weltkrieg geopfert werden. Heute übernimmt eine Stahlglocke das Läuten. Viesecke gehörte in der Zeit vor 1412 bis 1878 herrschaftlich zum Gute Kletzke. Die „Quitzows“ herrschten bis zum 17. Jahrhundert in Kletzke. Die Herrschaft wechselte sehr oft. Unter anderem besaß eine Familie Klinggraf um 1700 die eine Hälfte des Dorfes, ein Doktor Exzellenz Minister von Kameke die andere Hälfte. 1719 gehörte von Kameke das ganze Dorf. 1795 übernahm der Landrat von Knobelsdorf die Herrschaft über Viesecke, 1803 Baron Freiherr von Eckhardstein. Von 1821 bis 1880 wurde der Gutsverwalter Livonius eingesetzt. Um 1652 wurde ein Samuel Ross nach dem 30jährigem Kriege ( 1616- 1648 ) mit einer Zählung aller noch lebenden Personen beauftragt. Um diese Zeit zählte man in Viesecke 15 Personen, acht Hüfner und sieben Kossäten. Es wurden aber nur die männlichen Personen gezählt. Alle hatten weder Söhne noch Knechte, ein Pastor Riemann wird genannt. Viesecke war um die Jahrhundertwende immer Verkehrsknotenpunkt. 1654 wurde der Postweg Berlin- Hamburg eröffnet. Er führte von Groß Werzin kommend durch den Wald und hinter den westlichen Dorfwiesen am damaligen Dorfanfang von Viesecke vorbei in Richtung Kletzke. Der Durchgangsverkehr war zur damaligen Zeit schon sehr stark. Dadurch siedelte sich schon frühzeitig Handwerk in Viesecke an. ( Gastwirtschaft und Stellmacherei ). 1681 kam ein Postkurs von Halle über Magdeburg nach Perleberg hinzu. Die Bedeutung und der Verkehr erhöhten sich auf dem Postweg. Aber alles fuhr an Viesecke vorbei. Um 1830 wurde mit dem Bau der Berlin- Hamburger Chaussee begonnen und der Postweg verlor an wirtschaftlicher Bedeutung. Viesecke öffnete sich vom Sackgassendorf jetzt zur Chaussee und wurde zum Durchgangs-Straßendorf. Zum wichtigen Knotenpunkt wurde Viesecke mit dem Bau der Schmalspurbahn von Perleberg über Viesecke- Hoppenrade nach Kyritz 1897 mit einer Streckenlänge von 46 Kilometern. Die Kleinbahn, „Pollo“ genannt, fuhr das erste Mal am 15. Oktober 1897 die Strecke Perleberg- Kyritz. Eine weitere Bahnanbindung erhielt Viesecke mit der Strecke über Kletzke nach Glöwen von 15 Kilometern. Die Linie wurde am 15. Juli 1900 freigegeben. Jetzt war Viesecke mit der großen Bahnhauptstrecke Berlin- Hamburg verbunden. Umsteigen mußte man in Glöwen. Die Viesecker Bauern wußten den Vorteil zu nutzen. Jetzt war es möglich, seine Waren direkt in Berlin zu vermarkten. Der Bahnhof lag am Dorfanfang, an der Berlin- Hamburger Chaussee. Hier mußte man umsteigen, wenn man nach Kletzke- Glöwen wollte. Mit der Übergabe der Bahnstrecke Lindenberg- Pritzwalk in den Jahren 1907/08 war es möglich, überall hin zu reisen. Am 31.Mai 1969 war das bequeme Reisen auf der Schmalspurbahn zu Ende. Der Bahnbetrieb wurde auf der ganzen Strecke im Personen- und Güterverkehr eingestellt. Ab 1900 bis in den 20er Jahren war in Viesecke ein Ausflugslokal, die Viesecker Mühle, die viele Gäste aus nah und fern anlockte.1619 wurde eine Obermühle in Viesecke erbaut und 1621 eine Untermühle. 1721 ging das Mühlengrundstück in Privatbesitz über. Der Müllermeister Markurth kaufte die Obermühle und der Familienbetrieb wurde in den Jahrzehnten zu einem Großunternehmen ausgebaut und war bis 1933 in deren Händen. Zum Mühlenbetrieb gehörte eine etwa 300 Morgen große Landwirtschaft. Davon lag ein Teil des Ackers auf Kletzker Feldmark. Zu ihr gehörten einst zwei Arbeiterhäuser im Ort. Es sind die Häuser rechts und links vom heutigen Kannschen Hof, mit dem Giebel zur Straße. Friedrich Wilhelm Markurth setzte zu Kaiserzeiten auf den Tourismus und hatte Erfolg damit. Am Himmelfahrtstag und zu Pfingsten fanden Konzerte des Artillerie Regiments aus Perleberg statt, die großem Anklang bei den Besuchern fanden. Die Gäste kamen mit dem Kremser aus den Orten Wittenberge, Perleberg, Pritzwalk und Wilsnack. Den Gästen bot der schattige und gepflegte Park einen idealen Platz zum Ausruhen und Entspannen. Durch den Verkehrsknotenpunkt des „Pollos“ reisten auch viele Berlin- Ausflügler an. Sie fühlten sich auf dem schönen Mühlengrundstück sehr wohl und verbreiteten ihren Berliner Schwung hier in der Gegend. Der erste Weltkrieg 1914- 1918 brachte dem einst so einträglichen Geschäft ein rasches Ende. Vom Frühjahr bis zum Herbst 1936 hatte die Viesecker Mühle als Gaststätte nochmals eine kurze Blütezeit. In den letzten vierzig Jahren ist das Mühlengrundstück bereinigt worden. alle baufällig gewordenen Gebäude aus dem Landwirtschaftsbetrieb und die Handwerkstätten sind beseitigt worden. In den Jahren 1996/97 wurde die Viesecker Mühle zu Ferienwohnungen ausgebaut. Das Ensemble um die Viesecker Mühle bietet jetzt wieder die Möglichkeit, für einen erholsamen Spaziergang in der Natur, denn über den Cederbach hat man eine neue Holzbrücke errichtet, und der Wanderweg nach Hoppenrade ist neu angelegt worden. Die erste freiwillige Feuerwehr wurde im Jahre1911 gegründet, aber im selben Jahr wieder aufgelöst. In den Jahren 1929/33 wurde sie zum zweiten Mal gegründet. Das Spritzenhaus wurde um 1900 dorthin gebaut, wo es sich noch heute befindet. Heute gehören zum Ortsteil die Gemeindeteile Groß Werzin und Rambow.